Porsches elektrischer Cayenne: Ein Skeptiker-SUV

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Porsche bewältigt die Elektrowende mit maßvollen Schritten. Nach der Markteinführung des Taycan und des Macan Electric präsentiert das Unternehmen nun sein drittes rein elektrisches Modell: den Cayenne Electric. Im Gegensatz zu einigen Autoherstellern, die beeilt sind, Benzinmodelle zu ersetzen, behält Porsche den traditionellen Cayenne neben seiner neuen Elektrovariante bei und bietet Käufern die Wahl. Das Ergebnis? Ein Fahrzeug, das endlich Kritiker zum Schweigen bringen könnte, die an der Fähigkeit von Porsche zweifelten, seinen legendären SUV ohne Leistungseinbußen zu elektrifizieren.

Eine Plattform, die auf Leistung ausgelegt ist

Der Cayenne Electric fährt auf der „E4“-Plattform von Porsche, einer weiterentwickelten Version der Premium Platform Electric (PPE) des VW-Konzerns. Dabei handelt es sich nicht um eine Schrumpfungsübung: Der elektrische Cayenne ist nahezu identisch groß wie die gasbetriebene Version, wächst leicht in der Länge und verliert einen Zentimeter an Höhe. Die Innenabmessungen bleiben weitgehend unverändert und opfern nur vier Kubikfuß Laderaum – ausgeglichen durch einen 3,2 Kubikfuß großen vorderen Kofferraum.

Optisch lehnt sich der Cayenne Electric an den Macan Electric an, weist jedoch eine aufrechtere Haltung und ein aggressiveres Heckdesign auf. Ausgestellte Bögen, ein Diffusor und eine über die gesamte Breite reichende Rücklichtleiste verleihen ihm eine deutliche Präsenz. Im Innenraum dominieren Bildschirme: ein 14,3 Zoll großes digitales Kombiinstrument gepaart mit einem 14,9 Zoll großen Beifahrer-Touchscreen, die ein geschwungenes „Flow-Display“ bilden. Trotz anfänglicher Skepsis erweisen sich die auf Google OS basierende Benutzeroberfläche und die konfigurierbaren Verknüpfungen als überraschend intuitiv.

Leistung, die sich wie Porsche anfühlt

Der wahre Test? Ich fahre damit. Der Cayenne Electric elektrisiert nicht nur das Fahrerlebnis; es erhöht es. Die Turbo-Variante der Spitzenklasse leistet 844 PS (in kurzen Stößen über 1.000 PS) und sorgt für eine atemberaubende Beschleunigung. Was ihn auszeichnet, ist die sorgfältige Drosselklappenkalibrierung von Porsche: Im Gegensatz zu einigen Elektrofahrzeugen mit roher, sprunghafter Leistung reagiert der Cayenne präzise und kontrolliert.

Das Bremssystem ist ebenso verfeinert und bietet eine lineare Bremskraft ohne die bei Hochleistungs-Elektrofahrzeugen üblichen Erschütterungen. Porsche verzichtete bewusst auf das Ein-Pedal-Fahren und stellte die Kontrolle des Fahrers über den Komfort. Aber der wahre Game-Changer ist das optionale Active Ride-System, ein 7.790 US-Dollar teures Upgrade, das aktive Dämpfer nutzt, um dem Wanken der Karosserie entgegenzuwirken, Kurven abzuflachen und Stöße praktisch zu eliminieren. Dabei geht es nicht nur um Komfort; Es geht darum, der Physik in einem 5.400 Pfund schweren SUV zu trotzen.

Abschleppen und Praktikabilität

Über die Leistung hinaus geht der Cayenne Electric keine Kompromisse bei der Praktikabilität ein. Er kann bis zu 7.700 Pfund ziehen und übertrifft damit die Kapazität des Macan Electric. Porsche hat in den Sport- und Sport+-Modi auch einen V8-inspirierten Soundtrack integriert, der einen subtilen akustischen Hinweis hinzufügt, ohne auf gefälschte Gangwechsel zurückzugreifen. Die belüfteten 18-Wege-Sportsitze sorgen für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Komfort und Halt und eignen sich daher auch für lange Fahrten.

Der Preis der Exzellenz

Der elektrische Cayenne ist nicht billig. Das Basismodell beginnt bei 111.350 US-Dollar, während der voll ausgestattete Turbo, den ich getestet habe, mit Optionen 213.190 US-Dollar erreichte. Dies ist ein erheblicher Aufschlag gegenüber dem Einstiegspreis des benzinbetriebenen Cayenne von 92.250 US-Dollar, allerdings vergleichbar mit dem 729 PS starken Cayenne Turbo S E-Hybrid.

Fazit: Der Porsche Cayenne Electric ist nicht nur ein weiteres Elektrofahrzeug; es ist eine Aussage. Es ist ein Fahrzeug, das beweist, dass Porsche sein Leistungsvermächtnis kompromisslos elektrifizieren kann. Auch wenn der Preis hoch bleibt, wird jeder, der damit fährt, selbst ein Skeptiker, beeindruckt sein.