GWM baut neues australisches Ingenieurzentrum, obwohl Holdens historische Teststrecke verloren geht

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Great Wall Motor (GWM) beschleunigt seine Pläne zur Errichtung eines großen lokalen Ingenieurzentrums in Australien, obwohl das Unternehmen den Zugang zum historischen Lang Lang Testgelände verloren hat. Der Verkauf der Anlage an ein Verteidigungsunternehmen markiert das Ende einer Ära für Automobiltests in Victoria, aber die GWM-Führung besteht darauf, dass diese Störung ihre Strategie, Fahrzeuge speziell für australische und neuseeländische Bedingungen anzupassen, nicht zunichte machen wird.

Das Ende einer Automobil-Ära

Das Lang Lang Proving Ground südöstlich von Melbourne ist ein Stück australischer Automobilgeschichte. Die von General Motors erbaute und 1957 eröffnete 877 Hektar große Anlage diente jahrzehntelang als Herzstück der Fahrzeugentwicklung von Holden. Nachdem GM im Jahr 2020 den australischen Markt verlassen hatte, wurde der Standort an den vietnamesischen Autohersteller VinFast verkauft. Als VinFast jedoch seine australischen Einstiegspläne aufgab, wurde die Anlage im Jahr 2021 erneut zum Verkauf angeboten.

Seitdem dient das Testgelände verschiedenen Automobilherstellern, die lokale Fahr- und Fahrdaten benötigen. GWM hatte sich im Juli 2025 einen dauerhaften Wohnsitz am Standort gesichert und ein lokales Chassis-Entwicklungsprogramm unter der Leitung des ehemaligen Holden-Ingenieurs Rob Trubiani gestartet. Sein Team wurde damit beauftragt, die Federung und Lenkung der GWM-Modelle so abzustimmen, dass sie besser zu den örtlichen Straßen und den Kundenerwartungen passen.

Diese Vereinbarung endet nun. Aus Dokumenten geht hervor, dass die Anlage an eine Holdinggesellschaft verkauft wurde, die DefendTex, einen australischen Rüstungskonzern, vertritt. Die neuen Eigentümer planen, den Standort in eine „hochmoderne Produktionsanlage für Feststoffraketenmotoren“ umzuwandeln, was eine endgültige Verlagerung von Automobiltests zur Rüstungsfertigung signalisieren soll. Folglich werden Automobilmarken wie GWM bis Ende des Monats den Zugang zu den Teststrecken verlieren.

Strategischer Dreh- und Angelpunkt: Von der Teststrecke zum Technikzentrum

GWM räumt zwar ein, dass der Verlust „enttäuschend“ sei, betrachtet die Situation jedoch eher als überschaubare logistische Hürde als als strategischen Misserfolg. John Kett, Chief Operating Officer von GWM Australien und Neuseeland, bestätigte, dass das Unternehmen bereits einen „Plan B“** in der Umsetzung hat.

GWM investiert in ein neues technisches Zentrum in der Nähe seines bestehenden Hauptsitzes in Mulgrave, Melbourne. Diese Einrichtung wird mehrere wichtige Funktionen erfüllen:
* Engineering und Tuning: Unterbringung des lokalen Entwicklungsteams, um die Fahrzeugkalibrierung fortzusetzen.
* Schulung und Service: Zentralisierung der technischen Schulung und des Servicebetriebs.
* Zubehörentwicklung: Das interne Design und Testen von Zubehörteilen lässt, wie Kett zuvor zugab, „sehr zu wünschen übrig“.

„Es ist enttäuschend im Hinblick auf die Art und Weise, wie es letztendlich genutzt wird … aber es ändert überhaupt nichts an unserem Weg“, sagte Kett.

Die größte Herausforderung bleibt der Mangel an speziellen öffentlichen Teststrecken in Australien. Kett bemerkte, dass das Technikteam zwar ein Zuhause habe, die Suche nach einem geeigneten Ersatz für die physische Testumgebung jedoch komplex sei. Das Unternehmen gibt jedoch an, dass die Finanzierung gesichert sei und das Ziel darin bestehe, das neue Zentrum bis zum zweiten Halbjahr 2026 in Betrieb zu nehmen.

Warum dies für das lokale Tuning wichtig ist

Die Schließung von Lang Lang unterstreicht einen umfassenderen Trend: die Konsolidierung und Umnutzung der spezialisierten Automobilinfrastruktur in Australien. Da weniger spezielle Testgelände zur Verfügung stehen, müssen Hersteller flexibler vorgehen.

Steve Maciver, Leiter Marketing und Kommunikation bei GWM, betonte, dass die Kernarbeit für aktuelle Modelle bereits abgeschlossen sei. Die Partnerschaft mit Lang Lang und Rob Trubiani ermöglichte es GWM, „der Zeit einen Schritt voraus zu sein“ und sicherzustellen, dass bestehende Fahrzeuge den lokalen Standards für Fahrverhalten und Handling entsprechen.

Zukünftige Bemühungen werden den Schwerpunkt von der Nachrüstung aktueller Modelle auf die proaktive Abstimmung kommender Markteinführungen verlagern. Maciver schlug vor, dass das Team ohne ein permanentes Testgelände einen flexibleren Ansatz verfolgen und verschiedene Einrichtungen „on the fly“ für spezifische Testanforderungen nutzen könnte.

Conclusion

Der Verkauf des Lang Lang Testgeländes an DefendTex markiert das Ende eines bedeutenden Kapitels in der australischen Automobilgeschichte. Für GWM dient es jedoch als Katalysator für eine tiefere lokale Integration. Durch den Bau eines eigenen Technikzentrums verdoppelt der chinesische Autohersteller sein Engagement auf dem australischen und neuseeländischen Markt und stellt sicher, dass zukünftige Fahrzeuge vor Ort entwickelt werden, auch wenn die historischen Teststrecken nicht mehr verfügbar sind.