Während ein Großteil der weltweiten Aufmerksamkeit für den Konflikt im Iran weiterhin auf steigende Ölpreise gerichtet ist, entfaltet sich stillschweigend eine sekundäre Krise: eine massive Störung der globalen Automobillieferkette. Selbst wenn der Krieg abrupt endet, muss die Automobilindustrie mit gewaltigen Umsatzeinbußen rechnen, die sich über Jahre hinweg auf den Markt auswirken könnten.
Der Engpass an der Straße von Hormus
Der Hauptgrund für diese Instabilität ist die Straße von Hormus. Obwohl die Wasserstraße nicht offiziell gesperrt ist, haben viele große Reedereien sie aufgrund der erhöhten Konfliktgefahr faktisch als „No-Go-Zone“ ausgewiesen.
Dieser Wandel in der maritimen Logistik führt zu einem Dominoeffekt:
– Unterbrechungen in der Lieferkette: Da Schiffe die Meerenge meiden, werden traditionelle Handelsrouten umgangen, was zu logistischem Chaos führt.
– Erhöhte Kosten: Die plötzliche Verschiebung der Routen lässt die Fracht-, Versicherungs- und allgemeinen Logistikkosten in die Höhe schnellen.
– Regionale Engpässe: Die Länder des Golf-Kooperationsrates (GCC) – darunter Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Oman, Katar und Bahrain – spüren bereits die Auswirkungen und sehen sich mit erheblichen Verzögerungen bei der Auslieferung neuer Fahrzeuge konfrontiert.
Eine mehrjährige Auswirkung auf den Umsatz
Der Schaden für den Automarkt ist nicht nur ein vorübergehender Ausrutscher. Laut Prognosen von S&P Global Mobility ist der Zeitpunkt der Lösung des Konflikts von entscheidender Bedeutung.
Wenn die Straße bis April gesperrt bleibt und danach nur langsam wieder geöffnet wird, könnte die Branche allein in diesem Jahr einen Rückgang von 800.000 bis 900.000 Neuwagenverkäufen verzeichnen. Insbesondere in der GCC-Region werden etwa 200.000 dieser verlorenen Einheiten erwartet.
Allerdings reicht die Krise weit über das laufende Kalenderjahr hinaus:
* Langsame Erholung: Es wird nicht erwartet, dass sich die Versandmengen vor der zweiten Hälfte des Jahres 2026 wieder normalisieren.
* Der Dominoeffekt im Jahr 2027: Analysten gehen davon aus, dass im Jahr 2027 weitere 500.000 Fahrzeuge als anhaltende Folge der Störung verloren gehen könnten.
* Gesamtausfall: Zusammengenommen könnte der Gesamtverlust bei den weltweiten Fahrzeugverkäufen 1,4 Millionen Einheiten übersteigen.
Produktionsrisiken im asiatisch-pazifischen Raum
Bei der Krise geht es nicht nur darum, Autos von A nach B zu transportieren; es geht auch um die Fähigkeit, sie zu bauen. Der asiatisch-pazifische Raum kämpft derzeit mit dem doppelten Druck von Unterbrechungen der Ölversorgung und steigenden Energiekosten.
Diese Volatilität droht die Produktionszentren in Japan, Südkorea und China zu verlangsamen. Wenn sich die Produktion in diesen Schlüsselregionen verlangsamt, wird sich die weltweite Knappheit an Neufahrzeugen wahrscheinlich verschärfen, was die Preise in die Höhe treibt und die Wartezeiten für Verbraucher weltweit verlängert.
Das Ausmaß des Verlusts der Automobilindustrie hängt ganz von der Dauer des Konflikts ab. Eine schnelle Lösung bietet den Weg zur Erholung, doch ein längerer Krieg könnte noch katastrophalere wirtschaftliche Folgen für die globale Fertigung haben.
Fazit
Der Konflikt im Iran führt zu einem logistischen Engpass an der Straße von Hormus, der den globalen Automobilmarkt zu entgleisen droht. Selbst bei einem raschen Waffenstillstand könnten die kombinierten Auswirkungen von Lieferverzögerungen und Produktionsverlangsamungen bis 2027 zu einem Verlust von über 1,4 Millionen Fahrzeugverkäufen führen.
