Die Europäische Union erwägt eine mögliche Rücknahme der Zölle auf aus China importierte Elektrofahrzeuge, wobei das Tavascan-Modell von Cupra im Mittelpunkt der laufenden Verhandlungen steht. Der Schritt könnte die Tür für umfassendere Zollsenkungen öffnen, die Marken wie MINI, Smart und Volvo betreffen, die alle bei bestimmten Modellen auf chinesische Fertigung angewiesen sind.
Der Zollstreit
Derzeit unterliegen in China hergestellte Elektrofahrzeuge einem Ausgleichszoll von 20,7 % zusätzlich zum Standardzollsatz von 10 %. Diese Politik, die darauf abzielt, gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen, hat bei Branchenführern und Regionalregierungen Kritik hervorgerufen. Salvador Illa I Roca, Präsident von Katalonien, forderte die EU auf, „die Zölle zu überdenken“, und verwies auf die strategische Bedeutung der Investition von Cupra in ein Batteriewerk in Barcelona.
Cupras Lobbying-Bemühungen
Cupra hat sich aktiv für die Abschaffung der Zölle eingesetzt und als Gegenleistung für die Entlastung eine jährliche Importquote und einen Mindestpreis vorgeschlagen. Der Tavascan, der in Spanien bei 44.010 € startet (gegenüber 47.350 £ im Vereinigten Königreich), würde direkt davon profitieren. Seat-Cupra-Chef Markus Haupt berichtet, „die Gespräche laufen auf einem sehr guten Niveau“, eine „positive Antwort“ werde innerhalb von ein bis zwei Monaten erwartet. Allerdings rechnet er mit minimalen Preissenkungen für die Verbraucher, da sich dies vor allem auf die Gewinnmargen von Cupra auswirken würde.
Umfassendere Auswirkungen auf europäische Marken
Mehrere europäische Autohersteller montieren in China Fahrzeuge, darunter Dacia, Polestar und Lotus. Aufgrund der unterschiedlichen Eigentumsstrukturen und Produktionsvereinbarungen wäre in jedem Fall eine individuelle EU-Prüfung erforderlich. Insbesondere MINI steht vor Unsicherheit. BMW hat die Pläne zum Bau des elektrischen MINI-Luke in Oxford ausgesetzt und könnte den Schritt verzögern, wenn die Zollerleichterung die Margen bei chinesischen Importen erhöht – was mit Quotenbeschränkungen einhergehen könnte.
Vermeidung von Zöllen durch Standortverlagerung
Einige Marken verlagern präventiv ihre Produktion, um Zölle ganz zu vermeiden. Volvo hat die EX30-Produktion nach Belgien verlagert, während Dacia plant, die Produktion von Spring-Elektrofahrzeugen bis 2026 nach Slowenien zu verlagern. Geely-Marken wie Polestar und Lotus verlassen sich ebenfalls auf chinesische Fertigung, ebenso wie die Smart-Reihe, die gemeinsam mit Mercedes in China produziert wird.
Warum China für die Produktion?
Aufgrund von Kapazitätsengpässen in Europa entschied sich der Volkswagen-Konzern für die Produktion des Tavascan in China. Das Modell wird in einem Joint Venture mit JAC Motors montiert und im Inland auch als ID.UNYX verkauft. Cupra-Chef Markus Haupt räumte ein, dass die Tarifsituation unerwartet sei, beharrt jedoch darauf, dass eine Produktionsverlagerung derzeit nicht machbar sei. Sein Unternehmen drängt auf die Abschaffung der Zölle als praktikabelste Lösung.
Die Entscheidung der EU wird einen Präzedenzfall für künftige Handelsbeziehungen mit China im Automobilsektor schaffen. Das Ergebnis wird Produktionsstrategien, Preismodelle und die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Elektrofahrzeugmarken in einem sich schnell entwickelnden Markt beeinflussen.
