Chery Tiggo 4: Kann ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis kleine SUV-Mängel ausgleichen?

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Der britische Automobilmarkt erlebt einen erheblichen Wandel, da chinesische Hersteller ihre Präsenz aggressiv ausbauen. Nach dem schnellen Erfolg des Jaecoo 7 – der bereits etablierte Namen wie den Nissan Qashqai herausgefordert hat – startet der in Peking ansässige Mischkonzern Chery seine nächste große Offensive. Ihr Ziel? Der Ford Puma, der aktuelle UK-Bestseller.

Der Neuling ist der Chery Tiggo 4, ein kompakter SUV im B-Segment, der kleine Familien ansprechen soll, indem er vor allem eines in den Vordergrund stellt: Erschwinglichkeit.

Der Preisvorteil

Das überzeugendste Argument des Tiggo 4 ist sein Einstiegspreis. Ab knapp 20.000 £ ist er etwa 7.000 £ (oder 25 %) billiger als sein Hauptkonkurrent, der Ford Puma. In einer Krise der Lebenshaltungskosten ist dieser Preisunterschied ein gewaltiger Hebel für Chery.

Das Fahrzeug wird in zwei verschiedenen Ausführungen auf den Markt kommen:
* Aspire (Einstiegsmodell): Obwohl es sich um das Basismodell handelt, ist es mit zwei 12,3-Zoll-Bildschirmen, adaptiver Geschwindigkeitsregelung, Überwachung des toten Winkels und einer Rückfahrkamera gut ausgestattet.
* Summit (Top-Ausstattung): Für zusätzliche 2.000 £ erhalten Käufer Premium-Details wie beheizte Ledersitze, ein beheiztes Lenkrad, eine 360-Grad-Kamera und eine elektrische Heckklappe.

Leistung und Effizienz

Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten, die auf einfachere „Mild-Hybrid“-Systeme setzen, nutzt der Tiggo 4 einen 1,5-Liter-Vollhybrid-Antriebsstrang. Dieses Setup liefert respektable 201 PS und 310 Nm Drehmoment und ermöglicht eine flotte Beschleunigung (0 auf 100 km/h in 8,9 Sekunden).

Allerdings ist das Fahrerlebnis gemischt:
* Das Gute: Sobald das Auto die Reisegeschwindigkeit erreicht hat, fühlt es sich kultiviert und kraftvoll an, sodass das Überholen auf der Autobahn mühelos gelingt.
* Das Schlechte: Der Übergang aus dem Stand kann schwerfällig sein, da das Dedicated Hybrid Transmission (DHT) gelegentlich vor dem Einkuppeln fummelt, begleitet von einem unangenehmen Motorgeräusch. Darüber hinaus ist die Fahrt zwar komfortabel, fühlt sich aber etwas fester an und überträgt Straßenunebenheiten auf den Innenraum.
* Die Effizienz: Während das Vollhybridsystem zur Wirtschaftlichkeit beiträgt, ergaben Tests unter realen Bedingungen etwa 53 mpg. Dies ist zwar respektabel, bleibt aber hinter Konkurrenten wie dem Renault Captur zurück, der bis zu 60 MPG erreichen kann.

Interieur: Wahrgenommener Luxus vs. Realität

Optisch übertrifft der Tiggo 4 sein Gewicht. Im Innenraum sorgen Besätze in Lederoptik und ein zurückhaltendes Design für ein „Premium“-Feeling. Es gibt jedoch einen Unterschied zwischen gefühlter Qualität und tatsächlicher Verarbeitung:
* Oberflächenniveau: Die Materialien sehen hochwertig aus und das Doppelbildschirm-Layout ist elegant.
* Unter der Haube: Ein Großteil der Innenverkleidung fühlt sich hohl an und die berührungsempfindlichen Klimaanlagen können frustrierenderweise nicht reagieren.
* Technologie: Dem Infotainmentsystem fehlt eine integrierte Satellitennavigation, sodass Benutzer auf Apple CarPlay oder Android Auto angewiesen sind. Während die Bildschirme reagieren, fühlt sich die Software-Integration etwas unausgereift an.

Praktikabilität für Familien

Der Tiggo 4 ist eindeutig für junge Familien konzipiert. Er bietet einen großzügigen 430-Liter-Kofferraum und ausreichend Beinfreiheit hinten für Erwachsene. Kleine, aber durchdachte Details wie der Totwinkelsensor hinten (nützlich zur Überwachung von Kindern beim Öffnen von Türen) schaffen einen Mehrwert. Allerdings fühlt sich die Aufnahme älterer USB-A-Anschlüsse anstelle des modernen USB-C-Standards wie eine verpasste Chance für ein neues Modell an.

Urteil

Der Chery Tiggo 4 ist kein Spitzenreiter in Sachen Fahrdynamik oder Spitzentechnologie, aber er ist allein preislich ein gewaltiger Herausforderer. Er bietet eine hochwertige Serienausstattung und einen leistungsstarken Hybridmotor zu einem Bruchteil der Kosten seiner europäischen Pendants.

Zusammenfassung: Der Erfolg des Tiggo 4 liegt darin, dass er ein „mehr für weniger“-Angebot bietet; Es leidet zwar unter kleineren Verfeinerungsproblemen und unausgereifter Software, aufgrund seines massiven Preisvorteils ist es für preisbewusste Käufer jedoch eine sehr schwierige Option, die man ignorieren kann.