Toyota Hydrogen Trucks: Stille Fracht in Belgien

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Neil dreht den Schlüssel. Handbremse gelöst. Er wirft einen Blick auf die seltsame Digitalanzeige, betätigt den Schalthebel und schon fährt die 40-Tonnen-Maschine los. Kein Gebrüll. Kein Schütteln. Nur Stille. Der Lkw fährt auf die Autobahn und beschleunigt. Wo ein Dieselauspuff schwarzen Rauch ausstoßen würde, steigt über dem Fahrerhaus eine weiße Wolke auf. Andere Trucker starren verwirrt.

Im Inneren gibt es keine Vibrationen. Kein Diesel-Rumpeln. Nur das Zischen der Reifen auf dem Asphalt und ein leises Heulen aus dem hinteren Teil des Fahrerhauses. Weißer Dampf, ein Pfeifen und Totenstille? Dies ist kein batterieelektrischer Lkw. Es wird mit Wasserstoff-Brennstoffzellen betrieben.

Dies ist einer von vier von Toyota gebauten Einheiten. Der japanische Hersteller nutzt sie täglich, um Ersatzteile von seinem Hauptdrehkreuz im belgischen Diest zu Logistikzentren in Amsterdam, Rotterdam, Köln und Lille zu versenden. Neils heutiger Stopp ist das Amsterdamer Depot, etwa 200 Kilometer entfernt.

Der Lkw transportiert 36 Kilogramm Wasserstoff. Das ergibt eine Reichweite von bis zu 400 Kilometern. Die Distanz ist weniger als halb so groß wie bei einem herkömmlichen LKW mit Verbrennungsmotor, aber deutlich besser als bei den meisten Elektrotraktoren auf dem Markt.

Null CO2-Emissionen sind das Hauptmerkmal. Nach Angaben der französischen Umweltbehörde Ademe sind schwere Lkw für rund 7 % der nationalen Emissionen verantwortlich. Diese vier Wasserstoff-Lkw sind seit Mai im Einsatz. Sie haben mehr als 80.000 Kilometer zurückgelegt und dabei nur Wasserdampf ausgestoßen.

Unter der Haube: Das MAN-Chassis und die Toyota-Brennstoffzellentechnologie

Dies ist keine rollende Skizze oder ein Testmodell. Es ist ein funktionierender LKW. Die Basis ist ein MAN-Traktor, dessen Dieselantriebsstrang entfernt und der umgebaut wurde, um einen Elektromotor und zwei große Batteriepakete aufzunehmen.

Der Energieträger ist Wasserstoff. Sieben schwarze Hochdruckzylinder sind vertikal außerhalb der Kabine gestapelt. Sie halten Gas bei 350 bar. Sie können sie nicht verpassen. Sie hängen vom Rahmen ab und wirken wie ein besonderes architektonisches Merkmal.

Das System funktioniert wie jedes andere Brennstoffzellenfahrzeug. Wasserstoff wird in Brennstoffzellen eingespeist, die Strom zum Laden der Batterien erzeugen, die dann den Elektromotor antreiben. Toyota hat für diesen Lkw keine neue Zelle erfunden. Sie haben die Technologie direkt aus der Brennstoffzellenlimousine Mirai übernommen. Eine Mirai-Einheit reicht jedoch nicht aus, um eine Hochleistungsanlage anzutreiben. Um ausreichend Spannung und Strom zu erzeugen, sind zwei erforderlich.

Tanken: Schneller als ein Batterieladegerät, einfacher als eine Dieselpumpe

Das Hauptargument für Wasserstoff gegenüber Batteriestrom sind in diesem Zusammenhang Ausfallzeiten. Das Nachfüllen dauert weniger als zwanzig Minuten. Das ist ungefähr die gleiche Zeit, die Sie an einer Dieseltankstelle verbringen.

Der Prozess ist sauber. Keine Handschuhe erforderlich. Keine schmutzigen Hände. Der Fahrer bedient die Ventile über ein kleines Touchscreen-Armaturenbrett. Schließen Sie dann die Wasserstoffleitung von der Zapfsäule an den LKW an und drücken Sie einen Knopf an der Pumpe.

Neil demonstriert die Routine. Es ist im besten Sinne banal. Keine komplexe Choreografie, nur eine Verbindung und ein Warten.

Das Fahrerlebnis: Leise und weniger ermüdend

Fühlt es sich anders an? Neil sagt nein. Die Gewichtsverteilung, die Lenkreaktion, das Bremsgefühl entsprechen denen eines herkömmlichen Lkw.

Es gibt jedoch eine große Änderung. Der Lärm. Oder besser gesagt, das Fehlen davon. Das Diesel-Rumpeln ist weg. Die Kabine ist ruhig. Neil weist darauf hin, dass diese Stille die Ermüdung des Fahrers auf Langstrecken verringert.

Ist es eine perfekte Lösung? Wahrscheinlich nicht. Die Infrastruktur ist spärlich. Die Effizienzkette ist komplex. Aber für einen Lkw, der schwere Lasten bewegen muss, ohne stundenlang anzuhalten, um aufzuladen, bietet die Wasserstoff-Brennstoffzelle einen konkreten praktischen Vorteil.

Die Ruhe ist der Teil, den Sie zuerst bemerken. Dann vergisst man, dass es jemals laut war.

Wasserstoff-Brennstoffzellen-Lkw vs. Diesel: die tatsächliche Kostenaufschlüsselung

Die Wirtschaftslage stimmt immer noch nicht. Toyota gibt es zu.

Während Stellantis und andere große OEMs ihre Wasserstoff-Straßenfahrzeugprogramme stillschweigend auf Eis gelegt haben, setzt Toyota immer noch auf Brennstoffzellen für den schweren Güterverkehr. Die Logik ist auf dem Papier einfach. Doch die Realität der Tankinfrastruktur ist chaotisch.

Wenn ein LKW-Fahrer eine von Toyota vorab festgelegte Route nimmt, kommt er wahrscheinlich an einer oder zwei Wasserstofftankstellen vorbei. Das funktioniert. Es ist effizient genug für bestimmte Korridore. Wenn Sie jedoch angstfrei lange Strecken zurücklegen möchten, ist das aktuelle Netzwerk kaum vorhanden. Frachtrotationen können nicht einfach auf die Eröffnung einer Station warten.

Dann gibt es noch den Preis pro Kilogramm.

Die meisten Wasserstofftankstellen sind nicht ausgelastet. Und wenn es an einer Station ruhig ist, verdoppelt sich der Preis. An häufig besuchten Zapfsäulen wird Wasserstoff möglicherweise für weniger als 10 €/kg verkauft. Die Vernachlässigten verlangen mehr als 20 €/kg. Selbst am unteren Ende von 10 €/kg ist ein Wasserstoff-Lkw weniger rentabel als ein thermisches Dieselaggregat. Die interne Schwelle von Toyota ist klar: Der Kraftstoff muss unter 8 €/kg sinken, um wirklich wettbewerbsfähig zu sein.

„Um profitabel zu sein, müsste es unter 8 Euro fallen.“

Wie Toyota Gewicht reduzieren und die Reichweite erhöhen will

Als nächstes nimmt Toyota die Hardware ins Visier. Die aktuellen Prototyp-Traktoren sind mit zwei Brennstoffzellenstacks ausgestattet. Dieses Setup ist schwer. Allein die Kühlsysteme belasten die Nutzlast massiv.

Geplant ist die Konsolidierung zu einem einzigen, effizienteren Brennstoffzellenstapel. Allein diese Änderung würde die Masse der Wärmemanagementausrüstung halbieren. Kombiniert man das mit einer geeigneten elektrischen Antriebsplattform, erhöht sich die Effizienz noch weiter. Toyota schätzt, dass der Traktor mindestens eine Tonne Gesamtgewicht einsparen könnte.

Diese zusätzliche Tonne führt direkt zu einer höheren Nutzlast oder niedrigeren Betriebskosten.

Es gibt auch einen Vorstoß zur Speicherung von flüssigem Wasserstoff bei 700 bar. Wenn die Infrastruktur dies unterstützt, würde diese Methode die Reichweite auf 800 Kilometer erhöhen. Das ist ein erheblicher Sprung gegenüber den derzeitigen Möglichkeiten. Aber auch hierfür sind kompatible Sender erforderlich. Das Kraftstoffformat muss zur Pumpe passen.

Verschleiert die belgische Subvention die wahren Kosten?

Der Aufkleberpreis ist die letzte Hürde.

Diese Wasserstoff-Traktoren kosten mehr als sechsmal so viel wie ein herkömmlicher Diesel-Lkw. Das ist kein Rundungsfehler. Das ist eine völlig andere Anlageklasse.

Transportunternehmen in Belgien betreiben diese Fahrzeuge zu Betriebskosten, die denen von Dieselmodellen ähneln. Wie? Der belgische Staat subventioniert 80 % des Kaufpreises. Ohne diese öffentliche Finanzierung wären die Gesamtbetriebskosten für die meisten Betreiber unerschwinglich.

Die Technologie verbessert sich also. Das Gewicht sinkt. Das Sortiment wird erweitert. Doch bis sich der Treibstoffpreis stabilisiert und die Hardwarekosten sinken, bleibt der Wasserstoff-Lkw eher ein Nischenprojekt als ein Flottenstandard.

Und der Zuschuss? Es wird nicht global skalierbar sein.